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Flucht, Migration, Integration zu Zeiten von Corona

Die aktuellen Headlines und redaktionellen Beiträge kreisen fast ununterbrochen und ganz stark um ein Thema: Die innere Einkehr und der Weltfrieden. Nein, Spaß beiseite, die Corona-Pandemie steht nach wie vor allseits im Fokus und produziert Schlagzeilen am „laufenden Band“.

Aber was ist eigentlich mit anderen gesellschaftlichen Themen und vulnerablen Gruppen, wie beispielsweise geflüchtete Menschen oder auch Arbeitsbereich wie die der Kinder- und Jugendhilfe? Sind diese nicht auch brandaktuelle bzw. dauerhaft hoch relevante gesellschaftliche Themen, besonders auch unter und mit dem Eindruck der Corona-Pandemie – nun auch schon seit einem Jahr?

Wir finden, ja! Und genau deswegen habe ich mich sehr gefreut in dieser Woche Herrn Joannes Seiser genau zu diesen Themen interviewen zu können.

An Joannes Seiser kommt man in München nicht vorbei, wenn es um die Kinder- und Jugendhilfe geht und um geflüchtete Menschen, v.a. um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Unter anderem ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats bei der Bellevue di Monaco eG in München, einer gemeinnützigen Sozialgenossenschaft, die geflüchteten, aber auch nichtgeflüchteten Menschen Perspektiven in unterschiedlichen Lebensbereichen eröffnet. Zudem ist er Geschäftsführer der BMF – Gemeinnützige Gesellschaft für die Betreuung unbegleiteter Flüchtlinge und dann ist er auch noch geschäftsführender Vorstand bei dem Verein für Sozialarbeit e.V.

So begleitete er auch bereits in der „Hoch-Flüchtlingszeit“ im Jahr 2015 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und sorgte für eine menschenwürdige Betreuung und Unterstützung.

Seit einiger Zeit ist es aber doch eher still geworden, rund um das Thema Flucht und Migration. Bis – Anfang diesen Jahres – öffentlich doch zuweilen eher polemisch diskutiert, die Frage laut wurde, welcher Prioritätsgruppe geflüchtete Menschen hinsichtlich der Corona-Impfung zuzuordnen sind.

Und nicht nur das. Auch ist die Frage nach der Kostenübernahme der notwendigen vorgeschriebenen Hygiene-und Sicherheitskonzepte in den Gemeinschaftsunterkünften nicht wirklich geklärt. Dies gilt auch dementsprechend für die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Bis dato gehen die Einrichtungen hier in eine erheblich Vorausleistung, die sie zuweilen vor starke finanzielle Herausforderungen stellt. Denn derartige Kosten und Aufwendungen waren bzw. sind nicht Bestandteil der vertraglichen Förder- und Zuschussleistungen zwischen kommunaler Sozialverwaltung und freier Wohlfahrtspflege.

Die Zielgruppen der Geflüchteten, die generell eher eine schwache Lobby haben, finden leider auch in der Zeit der Pandemie zumindest in der Münchner Presse und Berichterstattung kaum bzw. zu wenig Gehör. Eigentlich verwunderlich, denn Menschen sehen sich immer noch gezwungen, aus ihrem Herkunftsland zu fliehen.

Aber auch die Menschen, die bereits hier sind, finden erschwerte Bedingungen für eine eigene (berufliche) Zukunft vor. Die Integrationsmaßnahmen können nicht mehr wie bisher durchgeführt werden und hier fällt doch sehr stark ins Gewicht, dass die notwendige Digitalisierung noch nicht den Einzug in die soziale und gemeinnützige Welt gehalten hat, die hier dringend gebraucht wird.

Stichwort: Bewerbungsprozesse. Es gehört zwar mittlerweile zum Usus, dass der Lebenslauf und weitere Bewerbungsunterlagen online eingereicht werden. Jedoch findet im Bereich der Lehrstellen- und Ausbildungsplatzsuche das konkrete Auswahl- und Bewerbungsverfahren noch zu selten virtuell bzw. hybrid stattfindet.

Neben all dem Ruf nach Digitalisierung gibt es aber auch noch den analogen Bereich, den der Berufe im Bereich Pflege- und Gesundheit. Wie sollen sich junge (geflüchtete) Menschen für diese Berufe interessieren und begeistern können, wenn sie derzeit noch nicht einmal Schnupper- bzw. Echtpraktika leisten können. Digital Menschen zu pflegen ist zu mindestens zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erstrebenswert. Und hier liegt ein kleiner Widerspruch: Auf der einen Seite herrscht ein erheblicher Fachkräftemangel in Pflege- und Gesundheitsberufen und auf der anderen Seite gibt es kaum angepasste Zugänge und Rahmenbedingungen. Vor allem für geflüchtete Minderjährige, die auch hier eine berufliche Perspektive bekommen könnten.

Fazit: Ja, Corona ist allgegenwärtig. Aber dennoch dürfen nicht Menschen, die schon vor Corona vor erheblichen persönlichen, schulischen und beruflichen Herausforderungen standen, in Vergessenheit geraten. Und welche Wege der Verein für Sozialarbeit hier geht, ist dem eigenen Internetauftritt www.verein-fuer-sozialarbeit.de zu entnehmen.


Podcast “NGO mit Oh”

In dieser Folge interviewt Laura Stanischeff den Experten in München, wenn es um die Kinder- und Jugendhilfe geht und um geflüchtete Menschen, v.a. um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – Johannes Seiser. Hören Sie doch einfach rein.

Ansprechpartnerin

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Laura Stanischeff

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