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Der deutsche Philanthropie-Markt in der Corona-Krise

Die deutsche Wirtschaft geht in eine Rezession. Die Corona-Krise reduziert das Wirtschaftswachstum radikal. Die Bundesregierung geht davon aus (Stand 24. April 2020), dass sich das wirtschaftliche Wachstum auf Grund der „Corona-Maßnahmen“ um 6 % sinken wird. Ebenfalls geht die Regierung davon aus, dass erst im Jahr 2021 das Bruttoinlandsprodukt aus dem letzten Jahr erreicht werden wird.

Diese Hochrechnung basieren auf der aktuellen Lage, in der ca. 640.000 Unternehmen für mehr als 2,35 Mio. Menschen Kurzarbeit beantragt haben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass durch die Krise die Arbeitslosigkeit auf über drei Millionen Menschen steigen wird (plus 500.000). Darüber hinaus wird damit gerechnet, dass zahlreiche Unternehmen die Krise nicht überstehen werden. Die Folge wird sein, dass die Anzahl der Insolvenzen werden steigen wird.

„Horrorszenarien“ für die Wirtschaft und für die Berufstätigen in diesem Land. Der Rettungsschirm der Bundesregierung umfasst 500 Mrd. Euro, durch den diese Krise eine maximale Abfederung erfährt, damit dennoch das Schlimmste verhindert werden kann.

Auswirkung auf das Fundraising

Rückgang des Bruttoinlandsproduktes, steigende Arbeitslosigkeit und Rezession kündigen sich an. Der Schluss, dass sich auch das jährliche Spendenvolumen senken wird, ist naheliegend.

Im letzten Jahr, so hat der Deutsche Fundraisingverband ermittelt, lag das Spendenvolumen der privaten Geber*innen bei 9,7 Mrd. Euro und das der Unternehmen bei 9,5 Mrd. Euro. Insgesamt wurden also 19,2 Mrd. Euro gespendet.

Wenn die Menschen weniger Geld in der Tasche haben, dann wird auch weniger gespendet. So ist derzeit in vielen Diskussionen zu hören. Doch lässt sich das in der Vergangenheit nicht belegen.

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 (Rettungsschirm ebenfalls 500 Mrd. €) hat sich das Spendenvolumen in Deutschland lt. Statista sogar erhöht. Erst in den Jahren 2011 und 2012 ist die Spendenbereitschaft zurückgegangen.

Denn gerade in schlechten Zeiten engagieren sich Menschen, übernehmen soziale Verantwortung und zeigen diese Haltung auch mit Geldspenden.

In dem Lockdown der Corona-Krise zeigt sich diese Haltung durch Nachbarschaftshilfen und steigende Spendenvolumen.

Wenn also die Spendenbereitschaft durch eine negative wirtschaftliche Entwicklung reduziert wird, dann offensichtlich mit einer erheblichen Zeitverzögerung.

Entwicklung der Philanthropie in Deutschland

Vor der Corona-Krise umfasste der deutsche Philanthropie-Markt ca. 1,4 Millionen Millionäre, 818 Mutlimillionäre und 200 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 13,55 Billionen Euro (Quellen u.a. Manager-Magazin).

Die Betrachtung dieser Vermögensklassen leiten sich aus der Definition des Begriffes Philanthropie ab. Der Begriff stammt aus der Antike. Er bezeichnet eine positive Grundhaltung und wohlwollende, großzügige Einstellung Vornehmer, Mächtiger und Reicher gegenüber ihren sozial schwächeren Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Dieser Hinweis ist relevant, da sich Philanthropie und Großspende unterscheiden.

Eine Großspende ist für eine gemeinnützige Organisation eine Spende, die deutlich über dem Durchschnitt der Spendenbeträge liegt. So gibt es kleinere Organisationen, bei denen die Großspende bei 500 Euro beginnt, andere Organisationen lieben bei 1.000 Euro, 5.000 Euro oder über 10.000 Euro.

Diese Betrachtung ist unabhängig davon, in welchem wirtschaftlichen Rahmen sich die Geberinnen und Geber befinden.

Eine philanthropische Person spendet aus Überzeugung und gibt aus seinem Vermögen oder Einkommen einen angemessenen, relevanten Betrag. Als Benchmark kann hier 10 % vom Einkommen oder 1 % vom Vermögen gelten.

Eine Spende von 10.000 Euro ist für die meisten Organisationen eine Großspende. Für einen Einkommensmillionär jedoch nur eine Normalspende.

Durch die Corona-Krise haben, laut dem Manager-Magazin, die Reichsten weltweit teilweise bis zu 16 % ihres Vermögens verloren.

Zeitweise deshalb, weil die Aktienkurse ihrer Unternehmensbeteiligung am Markt eingebrochen sind. Doch gibt es auch bereits jetzt „Corona-Gewinner“ wie u.a. Amazon und Facebook.

Nun werden üblicherweise die Spenden von Philanthropinnen und Philanthropen nicht durch den Verkauf von Aktienpaketen ausgelöst, sondern in der Regel aus dem liquiden Vermögen bezahlt.

Als Referenzgröße dazu kann das Geldvermögen gelten. Derzeit (Stand 25. April 2020) liegt das Geldvermögen in Deutschland bei 2,57 Billionen Euro. Und es wächst kontinuierlich weiter.

Dieser Betrag reicht aus, um das Spendenvolumen für die nächsten 20 Jahre zu garantieren. Doch leider haben nicht alle Menschen etwas davon. Denn das Vermögen in Deutschland ist unterschiedlich verteilt. Die zehn Prozent der Reichsten besitzen 56 % des Vermögens (DIW Berlin) und die ärmere Hälfte besitzt nur 1,3 %.

Philanthropische Vermögen könnte sinken oder steigen

Regelmäßig berechnet SCHOMERUS das philanthropische Vermögen in Deutschland. Die aktuellen Zahlen vor der Corona-Krise lagen bei einem jährlichen Volumen von 40,68 Mrd. Euro. und somit deutlich über den 19,2 Mrd. Euro im letzten Jahr.

Nun liegt die Annahme nahe, dass auch die Vermögenden durch die Corona-Krise Geld verlieren können. Die bereits genannten 16 % ihrer Vermögensreduktion unterstreichen diese These.

Auf der anderen Seite verteilen sich die Verluste sowie die Gewinne aus Krisen sehr einseitig.

Nach der globalen Finanzkrise ist die Vermögensschere in Deutschland weiter auseinandergegangen. Die Armen wurden ärmer und die Reichen wurden reicher.

Das Vermögen der „Oberen 10 %“ kann also auch durch diese Krise deutlich steigen. In diesem Fall wird auch das philanthropische Vermögen steigen.

Durch das verstärkte Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich wird die Notwendigkeit nach gesellschaftlichem Engagement noch deutlicher steigen. Denn das fehlende Geld in den öffentlichen Kassen und in den Geldbörsen der allgemeinen Bevölkerung wird soziale und gesellschaftliche Herausforderungen beschleunigen.

Zur Stabilisierung der Gesellschaft ist ein soziales, finanzielles Engagement der Menschen mit höherem Einkommen notwendig.

Doch auch wenn das philanthropische Vermögen um 16 % auf ca. 34 Mrd. Euro in diesem Jahr sinken sollte, so liegt dieser Betrag noch deutlich über den privaten und unternehmerischen Spenden des letzten Jahres (19,2 Mrd.) Euro.

Wie auch immer sich das philanthropische Vermögen verändern wird. Der Bereich der Major und Middle Donors wird noch genügend Reserven für die unterstützenswerte Organisationen zur Verfügung stellen.

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