STRATEGIE, FUNDRAISING, MARKETING & PHILANTHROPIE

Werte in der Gemeinnützigkeit

Als ich vor einigen Tagen den Podcast mit Bianca Kaltschmitt von HELP e.V. in Bonn aufgenommen habe, führte uns unser Gespräch zum Thema Werte. Der Ausgangspunkt zu diesem Thema war der kürzlich verstorbene Politiker Hans-Jochen Vogel, der als Oberbürgermeister von München, Bundesminister sowie als Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender der SPD die politische Landschaft von 1960 bis 1991 geprägt hat. Viele Klischees hafteten dem Sozialdemokraten immer wieder an: Parteisoldat, akribischer Oberlehrer oder Pedant mit der Klarsichthülle. Doch offensichtlich waren diese Klischees für Vogel keine Schmähungen, sondern Bestätigung für seine Arbeit, in der er sein persönliches Interesse weit hinter den Interessen des Landes zurückstellte.

Eiserne Disziplin, Loyalität, persönlicher Einsatz über die eigenen Grenzen hinaus. Und natürlich auch klare Ansagen und Hartnäckigkeit prägen seine Persönlichkeiten aus dieser Generation. Der Führungsstil wirkt heute autoritär. Hans-Jochen Vogel selbst beschrieb diesen als „sachlichen Führungsstil mit gewisser Strenge.“

Ich selbst wurde als Auszubildender in den späten 70-ziger Jahren ebenfalls im Führungsstil der damaligen Generation geprägt. Bei meiner Ausbildungsfirma (Otto Golze & Söhne: „Große Tüten, kleine Löhne“) in Hameln galt die Regel: „Nicht geschimpft ist Lob genug“. Ich habe damals gelernt, dass man nicht empfindlich sein durfte. Der Ton war rau, und insbesondere die älteren Mitarbeiter waren kurz, knapp in ihren Ansagen. Aber natürlich war das nachvollziehbar, denn diese Menschen haben sowohl das Dritte Reich überlebt, den Tod aus nächster Nähe erlebt, gehungert und verfolgt, ausgebombt und geflohen und zugleich aktiv am Wiederaufbau beteiligt.

Heutzutage mutet ein solcher Führungsstil als antiquiert an. Die moderne Managementlehre geht von einem kollegialen, wertschätzenden und menschenzugewandten Führungsstil aus. Vielmehr geht es eben nicht mehr um „nur“ Führung, sondern um einen Rahmen für das berufliche Miteinander. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im letzten Jahr Managerinnen und Manager befragt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass hierarchische Strukturen und autoritäres Führen keine Zukunft haben werden. Die sogenannte Generation Y (zwischen 1980 und 1995 geboren) verändert die Arbeitswelt, so sind sich alle Expertinnen und Experten einig. Diese Generation wird als anspruchsvoll bezeichnet und zeichnet sich dadurch aus, dass sie nahezu alles hinterfragt. Arbeit darf nicht das komplette Leben bestimmen, sondern muss mit den Bereichen Freizeit und Familie harmonieren. Und auch schon vor Corona war es wichtig, flexible Arbeitszeiten zu haben und im Homeoffice arbeiten zu können.

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Arbeit stellt sich für diese Generation ebenso, wie sie sich seit vielen Jahren auch schon für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gemeinnützigen Sektor stellt- und dort eine Antwort gefunden hat. Denn in welcher Branche kann es sinnvoller sein, in welchem Bereich sind die Menschen näher an den gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen als in gemeinnützigen Organisationen?

Denn für die Gemeinschaft da zu sein, für die Gemeinschaft nützlich zu sein, ist schon ein Wert für sich, der aus gutem Grunde durch Steuerbefreiung honoriert wird. Und wenn diese gesellschaftliche Wertschätzung ernst genommen werden kann, dann leiten sich hieraus weitere Werte ab und geben die Handlungsrahmen von gemeinnützigen Organisationen vor.

Die ethischen Werte wie Achtsamkeit, Altruismus, Demut, Ehrlichkeit, Fairness, Fürsorglichkeit, Gerechtigkeit, Glaubwürdigkeit, Hilfsbereitschaft, Idealismus, Konsequenz, Leidenschaft, Mitgefühl, Nachhaltigkeit, Nächstenliebe, Professionalität, Redlichkeit, Respekt, Seriosität, Solidarität, Teamgeist, Toleranz, Transparenz, Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen, Weitsicht und Zuverlässigkeit und viele andere mehr gehören in dieses Verständnis.

Dieses Wertegerüst wirkt sich intern und extern aus. Im Umgang mit den Menschen, als Projektpartnerinnen, Mitarbeiterinnen und Spender*innen. In der Frage, aus welchen Vermögensstrukturen heraus nehmen wir die finanzielle Unterstützung an. Waffenhandel, Alkohol, Sexindustrie und Kinderarbeit sind schon lange Ausschlusskriterien bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Diese Sinnhaftigkeit sieht man vielen Kolleginnen und Kollegen in den gemeinnützigen Organisationen „auch an“.

So zeigt die Webseite von HELP die Vielfalt und Fröhlichkeit der Menschen in dieser Organisation. Aber, auch das sagt Bianca Kaltschmitt in unserem Gespräch, es kommt auf die gemeinsamen Werte an. Und die diese gemeinsamen Werte tragen gemeinnützige Organisationen per „Satzung“ bereits in sich.


Podcast ZIELFÜHRUNG

Dazu passend: Der Podcast ZIELFÜHRUNG, Episode #17: Führung, Werte und Corona. Ein Gespräch mit Bianca Kaltschmitt (stellv. Geschäftsführerin HELP e.V., Bonn) und Andreas Schiemenz über die Frage, wie sich Werte auf die Arbeit und den Spendenerfolg auswirken. Bianca Kaltschmitt erzählt von ihrer Zusammenarbeit mit dem Politiker Hans-Jochen Vogel und wie sich die Buntheit der Welt in der Organisation HELP widerspiegelt.

Autor

Podcast ZIEL:FÜHRUNG

Der Podcast „Zielführung“ richtet sich an Entscheiderinnen und Entscheider, Verantwortliche und Macherinnen und Macher in gemeinnützigen Organisationen, Stiftungen, Verbänden und Vereinen. Er informiert über Themen wie Strategie, Führung, Marke, Marketing, Fundraising und Sponsoring. Regelmäßig sind wir im Gespräch mit Expertinnen und Experten aus und für den dritten Sektor.

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